Johann Strauss und Radetzky-Marsch – Österreichische Kultur und Geschichte durch Musik

Johann Strauss war ein österreichischer Komponist, Kapellmeister und Gründer der Strauss-Dynastie, die zu den bedeutendsten Musikfamilien der österreichischen Geschichte zählt. Aufgrund seines frühen Todes wurde sein Ruhm von seinem Sohn übertroffen, der heute als „Walzerkönig“ bekannt ist.

In diesem Artikel geht es jedoch um Johann Strauss (Vater) und sein bekanntestes Werk, den Radetzky-Marsch. Wie wurde er zum weltberühmten Komponisten und wie hat er die Wiener Musikszene sowie die österreichische Kultur beeinflusst?

Um Verwechslungen mit seinem gleichnamigen Sohn zu vermeiden, wird er hier Johann Strauss I. gennant (oft auch als Johann Strauss Vater bekannt).


🎻Die ersten Schritte zur Musik

Johann Baptist Strauss kam 1804 in der Familie eines Wirtes in der Leopoldstadt (heute Wien) zur Welt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Früh verlor Strauss beide Eltern und begann anschließend seinen musikalischen Weg.

Er studierte Buchbinderlehre und gleichzeitig erhielt Unterricht im Violinspiel und in der Musiktheorie bei Wiener Komponisten wie Johann Pollischansky, Michael Pamer und Ignaz von Seyfried. 

Bald trat der junge Strauss in der Wiener Tanzkapelle Pamers auf, wo er Josef Lanner kennenlernte. Ab 1823 spielte der damals 19-jährige Strauss in der Kapelle des um drei Jahre älteren Joseph Lanner. Heute gelten die beiden als die Väter des Wiener Walzers.

– Strauss-Lanner-Denkmal in Wien


🎻Der Weg zum internationalen Ruhm

Spätestens 1827 gründete Strauss ein eigenes Orchester. Mit etwa 12 bis 14 Musikern trat er in verschiedenen Lokalen in der Wiener Leopoldstadt auf, darunter im berühmten Vergnügungsetablissement „Zum Sperl“. Strauss verdiente nicht nur Geld, sondern erlangte auch Ruhm bei den Wienern.

Im Jahr 1833 verdoppelte er die Besetzung seines Orchesters und unternahm mit diesem eine erfolgreiche Tournee durch Europa. Mehrmonatige Konzertreisen in alle großen deutschen Städte sowie nach Frankreich und Großbritannien machten Strauss europaweit populär. Später wurde er zum Hofballmusikdirektor am Kaiserhof ernannt.


🎻Nicht so erfolgreich im privaten Leben

1825 heiratete Strauss die Wirtstochter Anna Streim und hatte mit ihr sechs Kinder: zwei Töchter und vier Söhne, von denen einer im ersten Lebensjahr verstarb. Drei andere – Johann, Josef und Eduard – wurden ebenfalls Musiker und Walzerkomponisten.

Besonders sein ältester Sohn, Johann Strauss II., wurde von seiner Mutter gegen den Willen des Vaters massiv unterstützt und übertraf ihn später. Heutzutage ist er als „Walzerkönig“ bekannt.

Die Ehe von Johann Strauss I. mit Anna Streim war angespannt, unter anderem wegen seiner zahlreichen Affären. Als sie mit dem sechsten Kind schwanger war, verließ Strauss seine Familie und lebte fortan mit der Modistin Emilie Trampusch. Aus dieser Lebensgemeinschaft gingen acht uneheliche Kinder hervor.

Mehr über die Strauss-Dynastie: https://www.johannstraussmuseum.at/de/familie-strauss/


🎻Tod und Nachwirken eines Walzerpioniers

Im September 1849 erkrankte Strauss an Scharlach und starb im Alter von 45 Jahren. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Johann Strauss II. das musikalische Erbe, das über 250 Werke umfasst, darunter Walzer, Galopps, Polkas und Märsche.

Johann Strauss I. bevorzugte kürzere, strukturierte Tänze mit klarer Rhythmik. Sein Stil war kraftvoll, schwungvoll und prägnant. Er hob die Tanzmusik aus den Tanzsälen in die Konzertsäle. Obwohl er heutzutage im Schatten seines Sohnes steht, prägte er zweifellos die Wiener Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts und leistete einen enormen Beitrag zur österreichischen Musikgeschichte.

 

🎻Radetzky-Marsch – Symbol der Monarchie

1848, ein Jahr vor seinem Tod, erschuf Johann Strauss I. sein bis heute bekanntestes Werk – den Radetzky-Marsch. Die Entstehungsgeschichte des Marsches ist eng mit den historischen Ereignissen des Revolutionsjahres 1848 verknüpft.

Im Frühling brach in Wien ein Aufstand aus und Kaiser Ferdinand I. floh nach Innsbruck. Die Habsburger Monarchie zu retten, half teilweise der Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz, der im Sommer einen überzeugenden Sieg in der Schlacht bei Custozza über die piemontesischen Truppen errang und die Lombardei für Österreich zurückgewann. Dies kam dem Kaiser zugute: Er schlug den Aufstand nieder und kehrte nach Wien zurück.

Am 31. August 1848 fand am Wiener Wasserglacis, einem beliebten Unterhaltungsort im 19. Jahrhundert, ein Siegesfest statt. Johann Strauss I., der stets auf der Seite der Kaiser-Treuen stand, präsentierte einen neuen Marsch, der als Radetzky-Marsch uraufgeführt wurde. Auf dem Titelblatt der Klaviererstausgabe steht der Zusatz „zu Ehren des großen Feldherren (…) und der kaiserlich-königlichen Armee gewidmet“.

Später wurde der Marsch zum Hauptmotiv des gleichnamigen historischen Romans von Joseph Roth. Radetzkymarsch (1932) ist ein Requiem auf die Habsburger Monarchie und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. In Form einer drei Generationen umspannenden Familiengeschichte beschreibt Joseph Roth den Zerfall Österreich-Ungarns.

– Ein beeindruckendes Werk, das ich auf jeden Fall empfehlen kann!

 

🎻Zwischen Tradition und Diskussion: Der Radetzky-Marsch heute

Obwohl die Monarchie schon lange vorbei ist, lebt die Erinnerung an den legendären Marsch von Johann Strauss I. bis heute weiter. Mit dem Radetzky-Marsch – bzw. mit dessen Arrangement – wird traditionell das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker beendet.

– So klingt der Marsch beim Neujahrskonzert: https://youtu.be/MsoAK2QyhzE?si=RmvKgXeLxD6FoF2t

Außerdem klatscht das Publikum regelmäßig im Takt nach dem Dirigat mit, was als Tradition gilt, aber auch als Teil oder Nachwirkung der „Massenbegeisterung“ der Zeit der NS-Musik angesehen werden kann. 

Dafür spricht, dass bis zum Jahr 2019 voraussichtlich eine sehr alte Orchesterbearbeitung eines NSDAP-Mitglieds namens Leopold Weninger gespielt wird. Trotzdem dauern die Diskussionen über die Angemessenheit der Aufführung des Marsches in unseren Zeiten bis heute an.

„Es ist ein Siegesmarsch, der Radetzky feiert, und eine Huldigung der k. k. Armee, die kurz vor der Uraufführung viele Zivilisten getötet hat. (…) Ich bin sicher, dass die Philharmoniker den Marsch weiterspielen, aber ich denke, man muss auf die historischen Zusammenhänge hinweisen. Und es ist auch die Frage, ob Militärmärsche in unseren Zeiten, wo ein paar hundert Kilometer weiter Krieg ist, zum Neujahrskonzert passen.“

– Eva Blimlinger, Historikerin und Kultursprecherin der Grünen

„Ich denke, der Radetzky-Marsch ist mittlerweile Kulturgut und hat nichts mehr mit Italien zu tun. Ich wundere mich zwar immer, dass auch Italienerinnen und Italiener beim Konzert freudig mitklatschen, aber es ist die Schneekugel unter Stücken: Einmal im Jahr will sie geschüttelt werden. (…) Wo fangen wir an, wo hören wir auf? Dann müssten wir auch die Musik von Giuseppe Verdi und Richard Wagner kritisch infrage stellen.“

 – Helmut Konrad, Historiker


Mehr dazu finden Sie hier: https://www.kleinezeitung.at/kultur/stmk_kultur/17958670/ist-der-radetzky-marsch-unspielbar-geworden




Quellen und Bilder:

https://mein-lernen.at/musik-uebersicht/komponisten-2/komponist-johann-strauss-vater-steckbrief/

https://www.johann-strauss.at/forschung/biografien/jsv/

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Strauss_(Vater)

https://www.johannstraussmuseum.at/de/familie-strauss/

https://de.wikipedia.org/wiki/Radetzky-Marsch#

https://www.kleinezeitung.at/kultur/stmk_kultur/17958670/ist-der-radetzky-marsch-unspielbar-geworden

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