Österreicher in der Ukraine – Märchen oder nationale Minderheit?
Tausend Kilometer von Österreich entfernt gibt es in der heutigen Ukraine noch immer historisch österreichische Siedlungen. Woher kommen sie und wie leben ihre Bewohner heute?
Transkarpatien
Die Oblast Transkarpatien ist eine kleine Region im äußersten Westen der Ukraine zwischen den Bergen, die Karpaten genannt werden.
Aus
der Geschichte
Die Ursprünge der österreichischen Minderheit in Transkarpatien reichen bis in die Kaiserzeit zurück. Die Habsburgermonarchie umfasste damals viele verschiedene Länder, darunter auch den Westen der heutigen Ukraine.
(auf der Karte gelb
markiert)
Im 18. Jahrhundert zogen (wahrscheinlich auf Befehl von Kaiserin Maria Theresia) etwa 250 Holzarbeiter mit ihren Familien aus dem Salzkammergut in die Waldkarpaten (östlicher Teil der Karpaten).
Sie gründeten 1775 die Siedlung
Deutsch-Mokra (heute Nimezka Mokra – ukr. Німецька Мокра). Der Name „Mokra“
stammt aus dem Ruthenischen und bedeutet „nasse Gegend“.
Durch die Holzproduktion wuchs das Dorf schnell und wurde zu klein für alle Einwohner. Deshalb wurde 1815 eine Tochtergemeinde gegründet.
Der Legende nach
sollen die Österreicher, als sie das Dorf zum ersten Mal sahen, gesagt haben:
„Das ist ein Feld für Könige“. Daraus stammt der deutsche Name der Gemeinde –
Königsfeld. Zehn Jahre nach der Gründung war Königsfeld schon größer als
Deutsch-Mokra. Der heutige Name des Dorfes – Ust-Tschorna – entstand nach dem
Zweiten Weltkrieg.
Damals
war Transkarpatien von der Sowjetunion besetzt. Die dort lebenden Österreicher
und Deutschen wurden nach Sibirien (teilweise nach Deutschland) deportiert. In
den 1960er Jahren kehrten die Überlebenden der Deportation in ihre Heimat
zurück, in den 1980er Jahren kam es zu einer Massenflucht nach Österreich und
Deutschland.
Die
alte Tradition
Obwohl
fast die gesamte österreichische Bevölkerung aus Transkarpatien verschwunden oder assimiliert ist, bewahren die Einheimischen noch immer die Erinnerung
an ihre Herkunft und pflegen alte Traditionen.
Eine davon ist die Feier der Sommersonnenwende. Am Abend treffen sich die Menschen auf der Polonyna (Bezeichnung für die als Bergweiden genutzten baumlosen Gipfellagen der Waldkarpaten). Im Vorfeld werden Schaiblyky (dt. Scheiben – kleine quadratische Holzbretter) vorbereitet.
Man steckt ein Schaiblyk auf einen langen Stock. Dann geht man zur Vatra (Feuer im Dialekt) und verbrennt das Holzbrett von allen Seiten. Danach kommt man zu dem zuvor aufgestellten Brett und schlägt mit dem Schaiblyk dagegen, so dass es davonfliegt. Nachts, wenn es dunkel ist, leuchtet ein leicht verbranntes Holzbrett beim Fliegen und die Leute singen.
Unter
dem Link finden Sie ein Video zum Thema, das Teil eines Projekts über verschiedene
Minderheiten in der Ukraine ist.
https://youtu.be/yylJZLnJV6k?si=7Jp0i_I7S-3yylhd
Die letzten Österreicher
Die
letzten Österreicher ist ein österreichisch-ukrainischer Dokumentarfilm von Lukas
Pitscheider, der 2020 am Zurich Film Festival seine
Weltpremiere feierte. Der Film zeigt das Leben von vier verschiedene Personen aus Ust-Tschorna
über einen Zeitraum von drei Jahren. Er wurde auf zahlreichen Festivals
weltweit gezeigt und mehrfach nominiert sowie ausgezeichnet.
Wie ist
es heute?
Darüber
können Sie im Artikel über das Leben in Ust-Tschorna während des russischen
Kriegs in der Ukraine lesen.
Quellen und Bilder:
https://youtu.be/yylJZLnJV6k?si=jIA3ipw3u3dbh0fz
https://de.wikipedia.org/wiki/Nimezka_Mokra
https://de.wikipedia.org/wiki/Ust-Tschorna
https://de.wikipedia.org/wiki/Oblast_Transkarpatien#Bev%C3%B6lkerungsentwicklung
https://images.gutefrage.net/media/fragen-antworten/bilder/453022760/1_full.jpg?v=1651848028000
https://image.tmdb.org/t/p/w342/2p2BkJp9pZivTrUXpw8S5W0BBpc.jpg









Comments
Post a Comment